BERLIN AKADEMIE JÜDISCHES MUSEUM / BLUMENGROSSMARKT




STÄDTEBAULICHE STUDIE

ENTWURF
VERFAHRENSBEGLEITUNG
QUALITÄTSSICHERUNG

Die Fläche des Berliner Blumengroßmarkts liegt an der Grenze zwischen Köpenicker Vorstadt und südlicher Friedrichstadt. Der Stadtgrundriss entlang der Lindenstraße entwickelt sich in einem schrittweisen Verstädterungsvorgang. Dagegen entsteht der südliche Teil der Friedrichstadt innerhalb eines geplanten Blockrasters. Johann Philipp Gerlach, königlicher Oberbaudirektor unter Friedrich Wilhelm I, betont die Übergänge und Richtungswechsel zwischen den beiden Stadtbereichen durch städtebauliche Blickpunkte. Zu diesen Point-de Vues gehört auch das Kollegienhaus, der heutige Sitz des Jüdischen Museums Berlin.

Unter Ausnutzung des besonders großzügigen Flächenzuschnittes entstehen auf der Fläche 1835 die königliche Sternwarte und ab 1880 die zweite Berliner Großmarkthalle.Südlich der Fläche ist ab den 1960er Jahren ein Autobahnknoten geplant. Diesen großflächigen Nutzungen stehen immer wieder Eingriffe gegenüber, die darauf abzielen das Baufeld in Teilbereiche zu gliedern und damit stärker mit seiner Umgebung zu vernetzen. Zu diesen Interventionen gehörte 1835 die Anlage des Enckeplatzes und des Gartens an der Sternwarte sowie 1913 der Durchbruch der Enckestraße zur Lindenstraße. In den 1980er Jahren werden im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) die E.T.A.-Hoffmann-Promenade und der Besselpark angelegt.

Das städtebauliche Konzept knüpft an die Planungsgeschichte des Ortes an. Zwischen Friedrichstraße und dem Kollegiengebäude ist eine Platzfolge vorgesehen. Vor dem Akademiegebäude des JMB entsteht ein neuer Eingangsplatz, der sich zum Kollegienhaus und dem Libeskind-Bau öffnet. Der Übergang zum Besselpark wird durch eine zweite, kleinere Platzfläche betont. In seiner Fortsetzung ist eine Querung des Parks zur Friedrichstraße vorgesehen. Der Besselpark erhält an seiner Südseite eine räumliche Fassung.

Der Akademiebau des Jüdischen Museums bildet den Mittelpunkt des neuen Quartiers. Die, in den 1960er Jahren errichtete Sheddach-Halle des Architekten Grimmek wird gegenüber dem Kollegiengebäude und dem Besselpark als plastischer Baukörper inszeniert.Der Hallenbau erhält an seinen übrigen Seiten eine Einfassung durch eine Randbebauung. Die Bebauung ergänzt den zunächst ausschließlich kulturell geprägten Standort um alltägliche Nutzungen wie Wohnungen, Büros und Geschäfte.

Dazu bleiben die Baufelder zunächst typologisch offen. Die Gestaltungsfreiheit der künftigen Bauherren und ihrer Architekten wird nur im Bereich der Platzfolge eingeschränkt.

Team ProjektUlrike Böhm, Cyrus Zahiri, Katja Benfer, Anna Vogels, Tim Wildner, Rita Leal, Kerstin Paul, Sumika Aizawa, Alexandra Blechschmidt, Christina Bös, David González Ferreño, Anna Gustavsson, Ann-Kristin Haeger, Amadeur Theimer, Johannes Werner, Mara Werner, Anne Wex
Jahr12/2010
BegriffeRealisierungen, Städtebau, Rahmenplanungen, Stadtplätze